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Umweltschutz durch bessere Mathematik
Einleitung
Vor Jahren, als die Umweltschutzbewegung an Schwung gewann, wurde das Diktum Reduktion, Wiederverwendung und Recycling zum Schlagwort der Diskussion um die Konsumproblematik. Obgleich das Recycling im Laufe der Jahre große Aufmerksamkeit erregt hat, ist es bei weitem nicht die wichtigste Strategie. Recycling ist die unattraktivste Alternative aus Reduktion, Wiederverwendung und Recycling, da es äußerst ressourcen- und organisationsintensiv ist. Bis heute hat sich effizientes Recycling als schwierig erwiesen, und die Ergebnisse von Studien, die seine Gesamtauswirkung untersuchen, sind ambivalent. Der wichtigste Beitrag, den Unternehmen leisten können, ist es, von vornherein effizienter zu werden und den Verbrauch von Rohstoffen zu reduzieren, anstatt im Nachhinein darüber nachzudenken, wie man die verbrauchten Produkte wieder loswerden könnte. Dies trifft ganz besonders für Kohlenstoffemissionen zu, wo Recycling möglicherweise sogar mehr Kohlenstoff erzeugt als die Entsorgung des Mülls auf einer Deponie. Wenn man die Beeinträchtigung der Umwelt durch den Konsum reduzieren will, muss man entschiedener vorgehen. In manchen Ländern, wie z. B. den Vereinigten Staaten, hat man nur minimale Anstrengungen zur Reduktion unternommen, hauptsächlich aus Sorge darüber, dass der Lebensstandard in Mitleidschaft gezogen werden könnte. Dieses Dilemma kann durch die Verwendung mathematischer Modelle abgeschwächt werden, die die Präzision der Lieferkette steigern, damit nur diejenigen Güter produziert werden, die später auch wirklich einen Käufer finden. Warum ist die Produktionslieferkette für den Umweltschutz wichtig? Produktion macht etwa 30 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts aus (BIP), oder insgesamt 20 Billionen Dollar von 66 Billionen Dollar in 2006. In den Vereinigten Staaten ist die Produktion die größte Quelle energiebezogener Kohlendioxidemissionen im Industriesektor. Auf sie entfallen etwa 84 % der energiebezogenen Kohlendioxidemissionen und 24 % der Kohlendioxidemission insgesamt. Die Produktion in den Vereinigten Staaten verbrauchte 2002 90 % der Energie des Industriesektors.Beim Thema Nachhaltigkeit denken Hersteller oft über Wege nach, Produkte so umzugestalten, dass umweltfreundlichere Materialien zum Einsatz kommen, weniger Energie verbraucht und weniger Verpackungsmaterial benötigt wird. Solche Programme können die Abfallmenge wirksam reduzieren. Durch Bedarfsprognostik und Bestandsmanagement können Nachhaltigkeitsprogramme jedoch noch weiter verbessert werden. Durch Vermeidung unnötiger Produktion eliminieren die Hersteller den damit verbundenen Rohstoff- und Energieverbrauch vollkommen. Die Lieferkette eines Herstellers ist oft der einfachste und effektivste Ausgangspunkt für ein erfolgreiches Nachhaltigkeitsprogramm. Zur Produktionslieferkette gehören alle Werke, Depots, Fahrzeuge und Menschen, die Güter produzieren, lagern oder transportieren, angefangen von den Rohmaterialien bis hin zum fertigen Produkt. Die Komplexität der Lieferkette kann gut durch Betrachtung eines einzelnen Supermarktes veranschaulicht werden, der bis zu 200.000 unterschiedliche Produkte in seinen Regalen haben kann. Ein Autoteilehändler kann sogar 500.000 haben. Die Planung, wann und wo alle diese Objekte produziert werden sollen, birgt vielschichtige Herausforderungen. Missmanagement der Lieferkette kann zu unnötiger Produktion, überschüssigem Bestand und ineffizientem Transport führen. Die Entscheidung, welche Güter hergestellt werden und wohin sie geliefert werden sollen, wird oft unter Zuhilfenahme mathematischer Modelle für die zukünftige Produktionskapazität, den Bestand, Verkäufe und Auslieferungen getroffen. Es ist dabei von entscheidender Bedeutung, dass die genauesten mathematischen Modelle beim Lieferkettenmanagement zum Einsatz kommen. Der Preis unverkaufter Waren Weltweit werden Waren im Wert von etwa 5 - 10 Billionen Dollar zum Verkauf angeboten. Dies entspricht etwa 1.000 US$ Lagerbestand für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind in der Welt. Für die 3 Milliarden Menschen, die mit weniger als 2 $ am Tag auskommen müssen, ist dies äquivalent zu eineinhalb Jahresgehältern - eine kolossale Investition für die Gesellschaft als Ganzes. Über die Reduktion der Kohlendioxidemissionen hinaus könnte der Abbau dieses Bestands die Auswirkung der Warenproduktion auf die Umwelt auf vielerlei andere Weise reduzieren und Spielraum für sinnvollere Investitionen schaffen. Die Lagerung dieser Waren verbraucht freilich Energie und Rohstoffe, doch noch mehr Energie und Rohstoffe waren für deren ursprüngliche Produktion notwendig. Mehr als die Hälfte dieses Inventars ist Sicherheitsbestand, also Bestand, den Unternehmen halten, weil sie nicht wissen, was ihre Kunden in der Zukunft kaufen wollen. Eine zweite wichtige Komponente des Bestands sind zum Verkauf bestimmte Waren, die jedoch nicht abgesetzt werden konnten, weil die Nachfrage hinter den Erwartungen zurückblieb. In den Vereinigten Staaten belief sich der Wert des Lagerbestands 2006 auf 1,9 Billionen US$. Diese Summe entspricht 6.000 US$ pro Amerikaner. 2006 gab es für jeden verkauften Dollar einen Bestand von 1.28 Dollar, was bedeutet, dass Waren im Durchschnitt etwa 15 Monate lang in der Lieferkette festsitzen. Die folgende Tabelle skizziert die jährlichen Logistikkosten in den Vereinigten Staaten, die sich 2006 insgesamt auf 1,3 Billionen US$ beliefen. Eine Reduktion des Warenbestands von 15 Monaten auf 9 Monate (beispielsweise) wäre für die Umwelt gleichbedeutend mit einer Stilllegung aller Fabriken, Lagerhäuser und Lastwagen für ein halbes Jahr, aber ohne, dass dadurch Konsum oder Lebensstandard beeinträchtigt würden. US-Logistikkosten 2006
Quelle: 18. Jährlicher Bericht über die Verfassung der Logistik (State of Logistics Report) Auf Kraftfahrzeuge entfielen 2006 48 % der gesamten Logistikkosten, und sie verbrauchten im selben Jahr 95 Milliarden Liter Dieselkraftstoff, wodurch 250 Millionen Tonnen Kohlendioxid erzeugt wurden. Nach Angaben der EPA entfallen in den Vereinigten Staaten etwa 33 % aller Treibhausgasemissionen durch Verbrauch fossiler Kraftstoffe auf den Transport. Könnten Warentransporte an falsche Ziele reduziert werden, hätte das unmittelbare Auswirkungen auf Logistikkosten und Treibhausgasemissionen. Warum ist Effizienz wichtig?Dies hört sich zwar nach einer kontroversen Behauptung an, ist es aber nicht. Tatsächlich ist es eine der wichtigsten Triebkräfte der Nachhaltigkeit. Alle Unternehmen werden durch die Aussicht auf Gewinne motiviert, aber die meisten großen Unternehmen sind Aktiengesellschaften, die treuhänderische Verantwortung gegenüber ihren Anteilseignern haben. Unternehmen haben wenig Anreiz, sich in Umweltschutzprojekten mit negativer Kapitalrendite zu engagieren. Größere Effizienz ist außerdem der Schlüssel zur Linderung der Auswirkung des Umweltschutzes auf den Wohlstand der Gesellschaft. Jeder Hersteller kann seine CO2-Bilanz durch Schließen einer Fabrik verbessern, doch geht damit ein Verlust an Arbeitsplätzen und Gütern einher; eine reizvollere Strategie ist es, Kosten zu reduzieren und dabei gleichzeitig als vorbildlicher Unternehmer in Erscheinung zu treten. Die Server sind nicht das ProblemDie Beschäftigung der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) mit Nachhaltigkeitsfragen war bisher sehr nach innen gewandt. Die Hauptreaktion der ICT-Branche war die Reduzierung der Umweltschädlichkeit durch Entfernung von Gefahrstoffen aus ihren Produkten (RoHAS) und die Verringerung von Wärmeerzeugung und Stromverbrauch. Zwar sind dies natürlich gute Ansätze, doch sind die Server nicht das Hauptproblem. ICT-Unternehmen sollten ihren Blick auf andere Sektoren der Gesellschaft lenken und sich fragen, wie sie diesen durch die Fülle an Informationen, mit denen uns Computer versorgen, helfen können, effizienter zu werden und die Kohlenstoffproduktion zu reduzieren. Die Möglichkeiten größerer Nachhaltigkeit sind fast unerschöpflich: Sie reichen vom Bau „intelligenter“ Gebäude über die Optimierung der Lieferkette bis hin zur Satellitenüberwachung der Desertifikation in Afrika. Wie Procter & Gamble der Umwelt hilftProcter & Gambles weltweiter Absatz hat sich innerhalb der letzten 6 Jahre beinahe verdoppelt. Die im Lagerbestand gebundenen Investitionen belaufen sich auf nahezu 7 Milliarden US$, was etwa 0,1 % des weltweiten Bestands entspricht. P&G ist sehr daran interessiert, diese Investitionen zu senken. Es gibt zwei grundsätzliche Ansätze zur Erreichung dieses Ziels. Man kann zum einen versuchen, genauere Absatzprognosen zu erstellen. Und zum anderen kann man die Lieferkette verbessern, indem man den Herstellungszyklus verkürzt und den Lagerbestand optimiert. Procter & Gamble macht beides. Vor einigen Jahren hat P&G das „Consumer-Driven Supply Network“ (CDSN) eingeführt, eine weltweite Initiative zur Verbesserung von P&Gs Reaktionsfähigkeit auf die Verbrauchernachfrage. Als Teil der CDSN hat P&G kurzfristige Absatzprognosemechanismen implementiert, um die Reaktionsfähigkeit auf Marktveränderungen zu verbessern und den Lagerbestand zu reduzieren. Durch Verwendung der aktuellsten Nachfrageinformationen, die aus möglichst vielen Quellen zusammengeführt werden, hat P&G die Prognoseungenauigkeit um mehr als 30 % reduzieren können. Dadurch konnte Abfall vermieden und der Sicherheitsbestand um mehr als 30 % verkleinert werden. P&G investiert weiterhin in die Steigerung der Effizienz: Es wird untersucht, ob zur Verbesserung der Prognosegenauigkeit Daten vom Verkaufsort und einzelnen Transportbewegungen herangezogen werden sollten. Angebotsseitig wurde manches getan, das sonst eher mit der Elektronik- und Automobilindustrie in Verbindung gebracht wird. Beispielsweise hat P&G in der Spätphase des Herstellungsprozesses von Reinigungsmitteln Produktdifferenzierungsmöglichkeiten eingeführt. Durch die Möglichkeit, nach der Produktion einer Charge Reinigungsmittel die Duftstoffe, Weichmacher und/oder Bleichmittel erst beim Abfüllen in die Flaschen zuzugeben, profitiert das Unternehmen sowohl von kleineren Chargen, also häufigeren Durchläufen, als auch von der Fähigkeit, die Produktion blitzschnell auf den Absatz abzustimmen. Die Materialbeschaffungszeit ist gering, sodass jedes Produkt an jedem beliebigen Tag produziert werden kann. Dadurch wird die Entstehung von Abfall vermieden, weil die Produkte erst dann hergestellt werden, wenn sich der Bedarf bestätigt hat. |
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